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Test Rolls-Royce Silver Shadow [3. Januar 1970]

Schon die äußere Form des Tests schien dem Charakter des Wagens angepaßt, und die Einleitung empfand ich als ungemein treffend formuliert. Dies kommt wohl daher, daß sie etwas von dem verspüren ließ, was wohl heute die meisten Menschen glauben, nämlich daß dem Rolls-Royce so etwas wie ein Auto- Heiligenschein anhaftet. Um so mehr fand ich es anerkennenswert, daß Sie sich davon nicht blenden ließen und Ihre Leser darüber aufklärten, daß auch die teuerste Nebensache der Welt nicht völlig frei von Mängeln ist. Ich werde jedoch das Gefühl nicht los, daß Sie dies bei "Sir Rolls" jedoch lieber taten als bei Wagen normaleren Kalibers. So meine ich, haben Sie versäumt, dem Leser das wirklich Ausgefallene an diesem Wagen mitzuteilen. Dazu zähle ich beispielsweise die Florteppiche aus reiner Wolle auf dem Boden. Die automatische Niveauregulierung tun Sie in einem Satz als "Plus" ab. Was sich alles hinter diesen bei den Worten verbirgt, kann ich zwar nicht aus eigener Erfahrung sagen, sondern man müßte wörtlich aus dem Prospekt zitieren.

© Gottfried Vossen, Aachen



Im Frühling 1969 brachte eine deutsche Illustrierte eine umfassende Lobeshymne auf das "beste Auto der Welt", den Rolls-Royce. Damals fiel mir jedoch ein unverzeihlicher Makel an einem Auto dieser Preisklasse auf, an Hand einer zweiseitigen Farbfotografie knopfgroß und klar ersichtlich. Was hier Mythos der Perfektion sein sollte, war ein grober Stilfehler, der jedem Laien - geschweige denn einem Fachmann - die Sprache verschlagen konnte. Wie war es möglich, daß ein Auto mit dem ehrfurchtgebietenden ,RR' vorbei an etlichen Monteuren, Ingenieuren und Verantwortlichen das Werk verlassen konnte mit einer schlecht und schief eingedrehten großen Schraubemitten auf dem Holz-Armaturenbrett. Normalerweise werden Holzschrauben (von ihnen gibt es einige beim RR) mit ihren Schlitzen alle in Faserrichtung gebracht, oder, wenn diese nicht definierbar sind, wie beim Wurzelfurnier des RR, in Richtung begleitender Kanten, zumindest aber alle in einer Flucht angeordnet. Aber armes Auge - Sir Rolls hatte es nicht nötig, sich mit solchen Kleinigkeiten abzugeben -, der Herr Chauffeur muß sich wohl oder übel mit einem Schraubenzieher bewaffnen.

© Holger Baruschke, Nußdorf


Leider kann ich mir keinen RR leisten, aber mehr "Sir Rolls" auf unseren Straßen täten sicher der Bramsigkeit Abbruch.

© Hermann Berckemeyer, Raesfeld

 



Dieser Test hat wieder einmal gezeigt, daß man zu maximalem Kaufpreis nicht immer ein Optimum an Technik bzw. Fahrverhalten und ein Minimum an Ärger erhält. Besitzer eines Mercedes 600 werden dies mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Sie haben für etwa 30 000 DM weniger das bessere Auto; mit dem 600 lassen sich fast Rennen fahren. Die Angelegenheit mit den Türen bei Sir Rolls ist genau so traurig wie bei vielen simplen Mittelklassewagen. Man schaue sich nur einmal Mercedes- Taxis an, die bereits mehrere 100 000 km aufweisen; exakt funktioniert bei diesen noch der Türmechanismus. Eines strahlt ein Mercedes aber eben nicht aus, die Rolls-Royce-Exklusivität. Darauf würde ich aber zugunsten des Besseren gern verzichten.


© Klaus-Detief Jokisch, Stuttgart



Aber, aber der Titel: Sir Rolls! Ich weiß, Sie wollten damit das Vornehme dieses Wagens betonen. Aber den Titel Sir ohne Vornamen gibt es im Englischen nicht ! Rolls war kein Sir, wenn er es aber gewesen wäre, so hätte man sagen müssen Sir Charles oder Sir Charles Rolls. Nehmen Sie den Fall Winston Churchill: Er war der jüngere Sohn des Duke of Marlborough, also Hon. Winston Churchill. In spätem Alter verlieh ihm die Königin den Titel "Sir", und dann war er Sir Winston oder Sir Winston Churchill. Sie hätten ruhig schreiben können: Lord Rolls, aber nie Sir Rolls.

© Wilfried von Proskowet, München



Dem Rolls-Royce geht der Ruf voran, im ganzen Empire nur von livrierten Chauffeuren sanft bewegt werden zu dürfen. Welche Blasphemie, einen "Sir Rolls. einem deutschen Tester auszuliefern, und welche Uberheblichkeit, auch noch Mängel zu entdecken!


© Dieter Schendera, Aachen



Wenn Sir Rolls schon wegen allzu hohen Adels vollkommen nebensächliche Degenerationserscheinungen hat, so sollte doch ein Tester mitten aus dem Volk wenigstens des Lesens, bestimmt aber des Schreibens mächtig sein und den Genitiv beherrschen! Da kritzelt so ein Mensch im letzten Absatz: "trotz seinem Preis"! Merke darum, nur ein Sir kann sich so etwas leisten, sorry!


© Arnold Erdbrügger, Bremen


Laut Duden kann "trotz" mit den Dativ oder mit dem Genitiv gebraucht werden. Das bei auto motor und sport übliche trotz "dem" ist also keineswegs falsch.

© Red. AMS

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